Von
der Höhle des Waschsteins, am Fuße des Königstuhls, erzählt
die Sage folgendes :
Vor Zeiten trieb ein Seeräuber, Klaus Störtebeker genannt mit
seinen Getreuen, sein Unwesen
auf der Insel Rügen. Hier in einer Höhle im Königstuhl, hatte er
seine Zuflucht, in welcher er die
geraubten Schätze verbarg und wo er ausruhte von den Anstrengungen seiner
Seefahrten,
verborgen vor aller Welt, da niemand die Höhle kannte.
Einstmals hatte er eine edle Jungfrau aus Riga geraubt, als sie gerade
ihrem Bräutigam angetraut
werden sollte; diese brachte er denn auch in seine Höhle und als er wieder
zu neuem Raube in See
ging, schloß er sie darin samt seinen Schätzen ein.
Auf dieser Fahrt wurde er aber mit allen seinen Gesellen gefangen und in
Hamburg hingerichtet.
Die unglückliche Jungfrau aber mußte in der Höhle eines jämmerlichen
Todes sterben und ihr Geist
hat noch jetzt, bei den Schätzen, die er bewacht, keine Ruhe.
Sehr häufig, um Mitternacht, sieht man sie aus der Höhle hervortreten
und zu dem großen Waschstein
schreiten, wo sie sich bemüht, ein Tuch in der See rein zu waschen. Nachdem
sie hier eine Weile
gewaschen, geht die schöne, reiche Jungfrau in die Höhle zurück
und wer ihr auf diesem Wege
begegnet und ihr zuruft : "Gott helfe Dir !", dessen Glück ist
gemacht, denn die Jungfrau wird ihm all ihre
unermeßlichen Schätze schenken, und sie selbst wird zur ewigen Ruhe
eingehen